Humorlos auf beiden Seiten

Griechenland ist bei der WM ausgeschieden. Gegen den übermächtigen Mitfavoriten Argentinien hielt sich die Rehagel-Mannschaft in bekannt defensiver Manier lange Zeit beachtlich, ehe Bayern-Verteidiger Demichelis mit einem Abstauber den Süsamerikanern zum dritten Sieg in Folge schoss. Argentinien schloss die Vorrunde glanzvoll mit drei Siegen ab und untermauerte mit dem 2:0 gegen Griechenland vor der Neuauflage des Achtelfinales von 2006 gegen Mexiko seine Titelambitionen.

Der Sieg war sicher und glanzlos 2:0 (0:0). Argentiniens Coach Maradona hatte Carlos Tevez und Gonzalo Higuain pausieren lassen. Der aktuell weltbeste Spieler dagegen startete erneut: Lionel Messi. „Es wäre eine Sünde, ihn draußen zu lassen“, hatte Maradona vor dem Spiel gesagt und Messi gegen die Griechen obendrein zu Argentiniens Kapitän gemacht. Messi, hinter seinem Trainer der größte Star dieses Turniers, war trotz der Ehre des Amtes nicht zu beneiden. Rehhagel bewies einmal mehr seinen Hang zum Pragmatismus und hetzte Messi einen Mann namens Sokratis Papastathopoulos hinterher – von der ersten bis zur letzten Minute. Das war sehr humorlos, überhaupt spielte Griechenland, als habe man ein fiktives Hinspiel 5:0 gewonnen. Rehhagels Mannschaft stand extrem tief, Georgios Samaras, einzige Spitze der Griechen, war der einsamste Mann weit und breit.

Allerdings haben die Argentinier in diesem Turnier bewiesen, dass man sich einerseits mit allen Mitteln gegen sie verteidigen muss, um nicht unterzugehen. Und dass andererseits ein Gegner gar nicht allzu viele Chancen benötigt, um gegen die Viererkette des Martin Demichelis erfolgreich zu sein. Karagounis und Katsouranis jedenfalls suchten ständig nach Lücken für ihr herausragendes Passspiel. Und die argentinische Deckung wackelte bei jedem langen Ball. Die Argentinier spielten für ihre Verhältnisse extrem drucklos, doch gelang es ihnen, selbst dabei spektakulär auszusehen. Agüeros Versuch parierte Tzorvas stark, Veron schoss krachend aus der Distanz, und was Messi veranstaltet, ist meist magisch.

Während Nigeria im Parallelspiel gegen Südkorea in Führung ging, kroch die Partie in Polokwane dahin. Im Falle eines nigerianischen Sieges hätte Rehhagels Elf ein 0:0 gereicht. Zumindest der Teil mit dem 0:0 schien lange Zeit aufzugehen. Dennoch hatten die Südamerikaner immer wieder Chancen. Kurz vor Ende der ersten Hälfte gaben Maxi Rodriguez und Messi nacheinander gefährliche Schüsse auf Griechenlands Tor ab, doch Tzorvas parierte sicher. Dann war Pause. Die erste Halbzeit hatte den aus Rehhagels Sicht gewollten Verlauf genommen, die Zuschauer auf den Tribünen des Peter-Mokaba-Stadions mussten sich anderweitig unterhalten.

Weil Südkorea ausgeglichen hatte, brauchte Griechenland nun einen Sieg. Zum Wiederanpfiff nahm Rehhagel jedoch seinen Spielmacher Karagounis vom Platz und brachte einen weiteren Verteidiger. Allerdings beorderte er Katsouranis einige Schritte weiter nach vorn, und in der 48. Minute passte der lang auf den unverwüstlichen Samaras, der sich an Demichelis vorbeimogelte und stramm am entfernten Torpfosten vorbeischoss. Doch von griechischer Offensive war nichts zu sehen. Man verließ sich offenbar darauf, dass die eigene Abwehr halten und gleichzeitig Nigeria Korea besiegen würde. Doch der Plan scheiterte spektakulär.

Aus ihrer absurden Ballbesitzquote gestalteten die Argentinier zwar nicht allzu viele klare Torchancen. Doch kamen sie zwangsläufig immer wieder zu Standards. Als Messi in der 78. Minute einen Eckball vor das Tor der Griechen schlug, Demichelis erst Milito anköpfte und den Nachschuss dann selbst in die Maschen jagte, war es um Rehhagels Taktik geschehen. Maradona tanzte an der Seitenlinie, Argentiniens Fans auf den Rängen, und für Momente gelang es ihnen sogar, das Dröhnen der Vuvuzelas niederzusingen. Messi jagte noch einen fantastischen Schuss an den Innenpfosten, dann bereitete er Palermos 2:0 vor, indem er einen Ball auf das Tor der Griechen schoss, den Tzorvas nicht festhalten konnte.

Griechenland muss sich von der WM verabschieden, während Argentinien in der Gruppenphase den Status als Mitfavorit eindrucksvoll untermauerte.

Peter Hermanns / ksta.de

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